Rede von Dr. Christian Hodeige

Sehr verehrte Lady Dahrendorf, liebe Christiane,

Liebe Preisstifter, liebe Verlegerfamilien Poppen und Hodeige, ich möchte an dieser Stelle Wolfgang Poppen entschuldigen, der sich auf Bundesverbandspfaden in Berlin aufhält

Sehr geehrte Damen und Herren von der Jury des Ralf Dahrendorf Preis für Lokaljournalismus
Sehr geehrter Landtagsabgeordnete Gabi Rolland, Alexander Schoch und Reinhold Pix
Sehr geehrte Frau Landrätin Störr-Ritter
Sehr geehrte Damen und Herren der Presse
Sehr geehrter Herr Ehrenbürger Prof. Jäger
Liebe Freunde der Badischen Zeitung,
Liebe Festgäste,

Herzliche willkommen in Freiburg, herzlich Willkommen bei der Badischen Zeitung, herzlich Willkommen zur zweiten Preisverleihung des Ralf Dahrendorf Preis für Lokaljournalismus. Ich hoffe, Sie sehen es mir nach, dass ich Sie nicht alle einzeln begrüßt habe, wir sind sehr glücklich, dass Sie alle gekommen sind, aber wir haben so ein volles Programm, dass wir mit Ihrer Erlaubnis unverzüglich beginnen wollen.

Einen herzlichen Dank möchte ich unserem hochdekorierten Trio "Tales in Tones" – Geschichten in Tönen – mit Prof. Ralf Schmid am Piano, Veit Hübner am Bass und Torsten Krill am Schlagzeug sagen. Alle drei haben schon einen Landesjazzpreis gewonnen und ihre Hommage an Michael Jackson "Songs from Neverland" war auf Platz 1 der Jazzcharts. Kommen wir nun zur Preisverleihung: gerne möchte ich zwei Zitate des Zeitungsmenschen Ralf Dahrendorf, so der Titel unseres 2010 verlegten Buches, voranstellen:

"Es gibt viele Leser, für die die Regionalzeitung die einzige Zeitung ist – ein Aspekt, der in manchen Kreisen nicht genug berücksichtigt wird. Wenn man das bedenkt, ist die Breite der Informationen, die Regionalzeitungen liefern, mehr als erstaunlich. Wenn ich von der Qualität der Regionalzeitungen spreche, so ist diese nach meiner Meinung außerordentlich und bemerkenswert.

Die Regionalzeitung ist nach wie vor die prägende Kraft einer Gesellschaft, die in bestimmter Weise dezentral strukturiert ist. Wenn sie verloren ginge oder schwächer würde, würde das diffusere gesellschaftliche Ordnungen einerseits dokumentieren, und andererseits schaffen. Vergessen wir nie, dass in einer globalisierten Marktumwelt Differenzierung ein eher größerer Wert ist und dass daher das, was manchmal "Glokalisierung" genannt wird – also der gleichzeitige Prozess der Globalisierung bestimmter Entscheidungen und wirtschaftlicher Initiativen und der Lokalisierung anderer Tätigkeiten – ein Gewinn für alle ist" (Zitate Ralf Dahrendorf)

Immer wenn das Regionalzeitungsverlegerherz mal wieder zürnt, traurig ist oder an der Umwelt schier verzweifeln möchte, nimmt man sich die Thesen meines Freundes Ralf Dahrendorf zu Herzen, die er 2003 im Forum Lokaljournalismus in Freiburg vorgetragen hat und erfährt Zuversicht, Hoffnung und eine gehörige Portion Optimismus für die Zukunft der eigenen Zeitung, der Gattung Regionalzeitung. Das ist eine eh fast unabdingbare Zeitungsverlegereigenschaft in diesen Tagen: Optimismus und Zuversicht. Natürlich sind die Zeichen der Zeit, der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der global agierenden elektronischen Medien, die auch oft meinen, auf guten Qualitätsjournalismus verzichten zu können, eher besorgniserregend. Natürlich sind schon an verschiedensten Orten die Todesglocken für Tageszeitungen geläutet worden. Auch von Verlegerkollegen, die sich mit Hingabe in ihr vermeintliches Schicksal selbst beerdigt haben. Dagegen stellen wir unsere tiefe Überzeugung: die nationalen Qualitätszeitungen, aber auch die Regionalzeitungen sind und bleiben unverzichtbar. Die Regionalzeitungen weil sie die Stimmen der Region, die Marktplätze der Meinungen in der Region, die Quellen von Informationen aus den Regionen und die Orte der Reflektion in den Regionen sind. Stellen sie sich doch mal den Oberrhein ohne Badische Zeitung vor, ohne die 21 Lokalausgaben, die jeden Tag intensiv und höchst differenziert und unabhängig und kompetent über die Region berichten! Das kann kein Google, kein Spiegel Online oder die neue elektronische Bildzeitung, das kann auch kein privater Blog, kein selbsternanntes Privatportal und kein Facebook Freundeskreis. Da ginge dann publizistisch für ganz viele engagierte Bürgerinnen und Bürger erst mal das Licht aus, wenn Sie mir diese saloppe Erklärung erlauben! Differenzierung ist eine Kraft, die regionale Identität eine andere. Der Kaiserstuhl ist etwas anderes als der Hochschwarzwald. Das Markgräfler Land oder die Ortenau haben andere Identitäten, wie Lörrach, Freiburg oder Lahr. Diese Unterschiedlichkeiten vereint unter dem Dach Südbadens, vereint in einer identitätsstiftenden Region, gespiegelt in der täglich erscheinenden Regionalzeitung, das hat eine über 65jährige Vergangenheit, das hat eine Gegenwart und, meine Damen und Herren, das hat auch eine Zukunft. Da waren und sind wir uns mit unserem langjährigen Berater und Freund Lord Dahrendorf völlig einig. Und wir wissen die journalistische Qualität muss stimmen, inhaltliche und optische Qualität wird heute immer mehr gefordert, von den Lesern der Städte und von den Lesern des ländlichen Raums. Nichts ist schlimmer als die Leser zu unterschätzen oder mit Einstellungen, wie "das genügt doch" abzufertigen. Manche Sparorgien in den Redaktionen fliegen so manchen Verlegern und Geschäftsführern gerade derzeit um die Ohren. Für Qualität im Lokalen braucht es Lokaljournalisten, die einerseits diese unmittelbare Nähe zum örtlichen Geschehen erleben wollen – stets dabei, aber nie mittendrin – und anderseits eine kritische Distanz wahrend, um ihren Aufgaben nach Information, Einordnung, Kommentierung und Bewertung nachkommen zu können. Nach wie vor gilt die alte Journalistenregel, den Diktator in Zentralasien zu rügen ist vergleichsweise einfach, den Bürgermeister des eigenen Orts zu kritisieren, da verlangt es mehr. Wir Verleger, Journalistenverbände und journalistische Ausbildungsinstitutionen müssen den Lokaljournalismus stärken und fördern. Wir müssen diesen attraktiven, wie anstrengend und fordernden Arbeitsplatz als solchen anerkennen und als zukunftssichernd für unser primäres Geschäftsgebiet, das der Regionalzeitung ansehen und estimieren. Das ist das Anliegen des Ralf Dahrendorf Preises für Lokaljournalismus, das ist das Anliegen der Preisstifter, der Verlegerfamilien Poppen & Ortmann und Hodeige-Rombach und das ist das Anliegen der Redaktion der Badischen Zeitung und es ist natürlich das Anliegen unserer erlesenen Jurorinnen und Juroren.

Meine Damen und Herren, es ist mir eine große Freude und Ehre Ihnen nun den Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Herrn Werner D'Inka, unseren heutigen Festredner ankündigen zu dürfen!

Herzlichen Dank!


Rede von Werner D'Inka